New York, New York

New York, New York

Grundsätzliches

Hassliebe

Zu New York habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Auf der einen Seite vermisse ich die Lebhaftigkeit und Diversität der Stadt schon wieder, wenn ich am JFK zurück ins Flugzeug steige. Auf der anderen Seite ist dort überproportional oft dreckig, laut oder teuer. Meistens und. Aber hey, das ist wahrscheinlich Teil des Charmes.

(Ferien-)Wohnen in New York

Angesichts der horrenden Immobilienpreise sind Airbnb-Wohnungen in New York vergleichsweise günstig. Hotels hingegen liegen preislich regelmäßig deutlich oberhalb meiner Schmerzgrenze. Wer eine Privatunterkunft bucht, sollte allerdings beachten, dass es zwischen Airbnb und New York City einen erbitterten Streit über die Rechtmäßigkeit der Angebote gibt. In der Vergangenheit sind immer wieder neue Auflagen gemacht worden, durch die einige Airbnb-Inserate, insbesondere von ganzen Wohnungen, in eine rechtliche Grauzone gerutscht sind. Insofern würde ich raten, vor der Buchung die aktuelle Rechtslage zu prüfen und Inserate auf ihre Übereinstimmung damit abzuklopfen. In Sachen Wohnkomfort können wir das Zimmer von Christa und Zach in Flatbush und die Wohnung von Josandra in Bedford-Stuyvesant empfehlen. Grundsätzlich ist Brooklyn immer eine gute Wahl, wenn man die Hektik von Manhattan meiden und etwas authentischer wohnen möchte.

Big Apple: Die Fortbewegung

Die meisten Airlines fliegen JFK an. Von dort aus gelangt man mit der Air Train für 5 USD zu den Metro-Stationen Howard Beach oder Jamaica Station. Von dort aus kommt man mit einem Einzelfahrschein für 2,75 USD bis in die Innenstadt. Unsere Empfehlung: Eine 7-Tages-Karte für 32 USD kaufen. Leider ist der Zustand des Schienenetzes recht schlecht, weshalb sich gerade während der Rush-Hour nicht unerhebliche Verspätungen ergeben können. In den Zügen friert man wegen der Klimaanlage oft, wenn es nicht so voll ist, dass man von den Körpern seiner Mitfahrer gewärmt wird. Trotz der uralten Schienen ist das Tempo recht ordentlich, weshalb es eine gute Idee ist, sich festzuhalten. Insgesamt funktioniert das Vorankommen mit der Metro recht gut, ansonsten laufen wir meist. Was wichtig ist: Die Abend- und Wochenendfahrpläne weichen zum Teil stark ab, weshalb es ratsam ist, sich vorher genau über die geplante Route zu informieren – etwa per App oder an den Info-Screens in den Stationen.

Vermischte Tipps

  • Habt immer Kreditkarte und Bargeld dabei. Manche Restaurants nehmen nur eins von beidem.

  • Händedesinfektion ist ein sinnvoller Begleiter …

  • Bleibt niemals mitten auf dem Gehweg stehen.

  • Nehmt bequeme Schuhe mit. Wir sind in New York kaum einen Tag unter 15 km gelaufen.

  • Touri-Cards lohnen sich nur, wenn man jeden Tag Hardcore-Sightseeing macht, was wir nicht empfehlen würden.

  • Lebensmittel kaufen wir am liebsten bei Whole Foods. Auswahl und Qualität sind großartig, außerdem ist die Aufmachung im Vergleich zu anderen amerikanischen Supermärkten deutlich ansprechender.

  • Nehmt euch mindestens einen Tag als Reserve, um Orte ein zweites Mal aufzusuchen oder einen Plan B zu haben, falls mal schlechtes Wetter Pläne durchkreuzt.

  • Die beste Pizza gibt es im Wheated. Das liegt eigentlich nie auf dem Weg, wenn man nicht in Flatbush wohnt. Aber der Umweg lohnt sich – versprochen!

Vorschlag für sechs Tage in New York

Wir sind nicht unbedingt Fans von reinem Sightseeing, sondern schlendern manchmal einfach gern durch Straßen und Parks, sitzen in Cafés oder durchstöbern Buchläden. Entsprechend durchmischt sind die folgenden Tagesprogramme.

Tag 1: Entlang des East River (samstags, April bis Oktober)

Unseren letzten New-York-Trip haben wir in Brooklyn gestartet. Morgens ging es mit der Bahn bis zur 36th St und von dort aus Richtung Industry City. In den alten Industriegebäuden haben zahlreiche Restaurants, Manufakturen, Shops, Co-Working-Spaces – und samstags ab 10 Uhr auch der Brooklyn Flea Market – ein Zuhause gefunden. Wenn man in Richtung East River geht, kann man in der Ferne auch die Freiheitsstatue erkennen. Weiter geht es mit der Bahn Richtung Court St und dann zu Fuß durch Brooklyn Heights, eine der teuersten Gegenden von NYC. Hat man Brooklyn Heights durchquert, landet man fast zwangsläufig im Brooklyn Bridge Park, wo man auch Sport treiben, grillen oder Drachen steigen lassen kann. Außerdem hat man einen tollen Blick auf die Skyline von Südmanhattan und auf die Brooklyn Bridge. Wenn man an deren Fuß ankommt, stößt man auf das wunderbar restaurierte Karussels Jane’s Carousel und einige kleinere Parks und Piers. Die Kopsteinpflasterstraßen von Dumbo laden zum Flanieren ein, es geht aber mit der East River Ferry weiter Richtung Norden. In North Williamsburg wartet samstags zwischen 11 und 18 Uhr Smorgasburg Food Market mit circa 100 Ständen. Wer danach noch Energie hat oder einen Verdauungsspaziergang braucht, kann zum Beispiel mit dem Boot zurück zur Brooklyn Bridge fahren und diese überqueren. Wenn man in Brooklyn wohnt, ist es sinnvoll, mit dem Boot bis zum Wall-Street-Pier zu fahren und die Brücke in Richtung Osten zu überqueren.

Tag 2: Das New York der Bohème
Meatpacking District, Village, SoHo und co.

An New York liebe ich gar nicht die glänzenden Skyscraper, sondern die alten Backsteinhäuser und Brownstones, die grünen Lungen und Industrie-Relikte. Der Westen von Manhattan gehört deshalb zu meinen Lieblingsgegenden. Der wirklich ausgedehnte Spaziergang beginnt an der Penn Station, von wo aus es zur High Line geht. Der fast 2,5 km lange Park befindet sich auf einer alten Hochbahntrasse und gewährt spannende Einblicke in alte Fabrikhallen und neue Luxus-Apartments. Wenn man, wie hier empfohlen, von Norden nach Süden läuft, endet man fast am Chelsea Market und Gansevoort Market. In beiden Hallen gibt es tolle Architektur und zahlreiche Essensangebote, im Chelsea Market auch eine bunte Mischung an Shops. Weiter geht es zu Fuß ins hippe Greenwich Village. Dort steht etwa das Stonewall In, ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der LGBT-Community. Am Washington Square Park, an dem sich auch die NYU befindet, haben schon Joan Baez und Bob Dylan gewohnt. Hunger? Falafel bei Taim oder Rote-Bete-Ricotta-Kreationen bei The Doughnut Project sind eine gute Stärkung. Weiter geht es: Die Nummer 75 1/2 in der Bedford Street ist das schmalste Haus in ganz NYC. Außergewöhnliche Häuser gibt es auch in SoHo, wo gusseiserne Fassaden sich kaum von kunstvollen Stuckwerken unterscheiden lassen. Eine weitere Besonderheit von SoHo: In der Dominique Ansel Bakery wurde der Cronut erfunden. Noch nicht satt? Champions Pizza hat eine Filiale direkt neben Eileen’s Cheesecake, wo es ungefähr 30 Sorten Käsekuchen gibt … Kalorien verbrennen: Südlich folgen die wohl kitschigsten Flecken von New York: Little Italy und Chinatown. Einfach durchspazieren und staunen.

Tag 3: Midtown

Midtown ist mir in weiten Teilen zu touristisch und zu stressig, hat aber durchaus charmante Ecken. Startpunkt ist das ikonische Flat Iron Building, das Empire State Building ist mit seinen 102 Etagen zwar beeindruckend, die Innenansicht ist den relativ hohen Eintritt (min. 37 USD) aus unserer Perspektive aber nicht wert. Kostenlos besichtigen kann man den Grand Central Terminal mit seiner beeindruckenden Eingangshalle. Wenn ich für ein Museum bezahlen würde, dann für das MoMa. Die Sammlung beinhaltet zahlreiche Schätze aus der Kunstgeschichte und inspirierende zeitgenössische Werke, alles umrahmt von minimalistischer Architektur. In dieser Hinsicht ist auch das Guggenheim einen Besuch wert. Unbegrenzte Essensmöglichkeiten gibt es in den Straßen von Hell’s Kitchen. Für den späten Nachmittag empfehlen wir Top of the rock. Von dort aus ist der Blick spektakulär: Auf der einen Seite liegt der grüne Central Park, im Süden ragt das Empire State Building in den Himmel. Zwei oder drei Stunden vor Sonnenuntergang ist das Licht besonders schön. Ist die Sonne untergegangen, geht es dann am Times Square erst richtig los. Die Werbetafeln dort sind übrigens mittlerweile baurechtlich vorgeschrieben …

Tag 4: Central Park und Hudson River per Rad

In der Umgebung des Columbus Circle gibt es diverse Möglichkeiten, Fahrräder zu mieten. Von dort aus ist es nur ein Katzensprung bis zum Central Park, wo es mit Sheep Meadows, Strawberry Fields, The Lake, Bethesda Terrace und The Loch viel zu entdecken gibt. Ist der Central Park durchquert, geht es weiter Richtung Norden, durch Harlem und zur Columbia University. Dann weiter bis ans Ufer des Hudson River, dem man bis zum Battery Park folgt. Von dort geht es am East River weiter und wieder zurück zum Columbus Circle. Achtung: Manhattan ist nicht so klein, wie es aussieht. Unsere Tour hatte ca. 45 km, was eigentlich unproblematisch ist, im New Yorker Stadtverkehr aber länger dauern kann. Im Central Park und auf den Radwegen am Fluss kann man hervorragend fahren, im normalen Verkehr ist es allerdings sehr stressig, insbesondere zur Rush Hour. Bei der Miete des Fahrrads würde ich darauf achten, dass Helme und Fahrradschlösser angeboten werden. Wir haben beim Bike Rental Central Park ca. 30 Euro pro Person/Tag bezahlt. Es gibt auch günstigere Anbieter, wir waren aber recht zufrieden mit unserer Wahl.

Tag 5: Die Südspitze von Manhattan

Der vorletzte Tag beginnt an der PATH Station am (One) World Trade Center. Die wohl teuerste Bahnstation der Welt ist eine architektonisches Meisterwerk und liegt nur wenige Meter vom 9/11-Museum entfernt. Für den Besuch würde ich ca. drei Stunden einplanen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mich der Besuch so mitnimmt. Aber insbesondere der Raum, in dem Mitschnitte von den letzten Telefonaten der Flugzeuginsassen abgespielt werden, hat mich kalt erwischt. Gleichzeitig ist es auch ein Ort, der sehr beeindruckend zeigt, was Menschen aus Schutt, Asche und Trauer (wieder-)erschaffen können. Nach dem etwas gedämpften Tagesbeginn, wird es auf Governors Island heiterer: Die Insel erreicht man per Fähre vom Battery Maritime Building. Bei der Ankunft fühlt man sich vor lauter historischen Gebäuden und ländlicher Umgebung in eine andere Zeit versetzt. Der Geräuschpegel sinkt, freie Flächen laden mit Hängematten und Sesseln zum Entspannen ein. Immer präsent: Der Blick auf die Südostspitze von Manhattan. Vom Südwesten der Insel aus hat man auch einen tollen Ausblick auf die Freiheitsstatue. Genug entspannt? Dann geht es mit der Fähre zurück nach Manhattan und zu Fuß weiter ins East Village, wo charmante Plätze wie der Elizabeth Street Garden oder das legendäre Katz’s Deli warten.

Tag 6: Williamsburg und Long Island City

Ein Spaziergang durchs nördliche Brooklyn und Long Island City ist sehr abwechslungsreich. Los geht es mit Streetart auf der Wyckoff, Jefferson und Troutmann. Dort leben überwiegend Hispanics. Hinter Geschäften und Friseurläden sind große Lagerhallen, auf den angrenzenden Hauptsraßen herrscht viel LKW-Verkehr. Und immer wieder finden sich dazwischen großartige Graffitis. Gelangt man nach Williamsburg, verändert sich die Umgebung schlagartig. Man sieht wieder mehr Wohnhäuser, immer öfter tauchen Frauen in langen Röcken auf. Im Brooklyner Hipsterviertel lebt eine große chassidische Gemeinde, die größte außerhalb Israels. Hier sind die Schulbusse auf Hebräisch beschriftet und kaum ein Geschäft verkauft unkoschere Produkte. Die Menschen sind freundlich, aber distanziert und in sich gekehrt. Sobald man die Bedford Avenue erreicht, wandelt sich das Bild langsam wieder. Hippe Cafés und schicke Geschäfte wie Pink Olive, die Mini Mall, der Package Free Shop oder die Schokoladenmanufaktur der Mast-Brüder tauchen auf. Feministische Buttons oder Poster gewünscht? Gibt es bei Bulletin! Verschiedenste hübsche Kleinigkeiten kriegst du samstags auch bei Artists & Fleas. Genug gestöbert? Abends ist es am etwas nördlicher liegenden Hunters Point South Park und Gantry Plaza State Park besonders reizvoll. Dort kommst du entweder zu Fuß oder mit der East River Ferry hin. Wenn die Sonne untergeht, wird die East Side in ein weiches Licht getaucht und die ganzen Fassaden glänzen und glitzern. Einen Burger zum Abschluss? Gibt es nach dem Baukastenprinzip zum Beispiel bei Bareburger.

Was wir nie geschafft haben, aber toll sein soll

  • Coney Island

  • Tagesausflüge in die Hamptons

  • Besuch einer Rooftop-Bar, zum Beispiel Salvation Taco

  • Besichtigung der Rooftop-Farmen von Brooklyn Grange

  • Trashige Coverband-Show zu den 80s oder 90s im Poisson Rouge

  • Fahrt mit der Roosevelt Island Tramway

Fotos:

Isle of Skye

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Thailand

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