Isle of Skye

Isle of Skye

Tag 1: Anreise über London Heathrow und Edinburgh

Das Planungsdokument für unseren Schottlandurlaub hatte 30 Seiten, jeder Tag war, wie immer, minutiös durchstrukturiert. Dieses Mal lief aber von Anfang an nichts nach Plan:

Während des Boardings in Hannover schaute ich noch ein letztes Mal in die App. Aufgrund dichten Nebels wurde wohl in Heathrow die Startfrequenz runtergfahren und unser Anschlussflug nach Edinburgh gestrichen. Da ich jede Minute damit rechnete, den Flugmodus anschalten zu müssen, bestätigte ich einfach schnell den vorgeschlagenen Alternativflug. Der ging früher als der ursprünglich gebuchte, weshalb wir nur 40 Minuten Transitzeit in Heathrow hatten. Nach der Ankunft in London wurden wir auch direkt am Gate von einem netten Flughafenmitarbeiter abgeholt, der uns in Windeseile durch Terminal 5 lotste: Passkontrolle, zwei mal Boardingpass scannen, Sicherheitscheck, ab zum Gate.

Wir haben es in den Flieger geschafft, nur unser Gepäck nicht, wie sich in Edinburgh rausstellte. Ein sehr freundlicher Menzies-Mitarbeiter prüfte der Verbleib und stellte fest: Beide Koffer standen noch in Heathrow. Wir haben uns dann entschieden, etwa 3 Stunden auf die nächte Maschine zu warten und unsere Koffer selbst mitzunehmen. Die Lieferung per Spedition hätte nämlich bis zu 5 (!) Tage gedauert.

Daniel machte sich während der Wartezeit auf den Weg zum Sixt-Counter, um unseren vorgebuchten Mietwagen abzuholen. Ich hatte vor Monaten eine Kompaktklasse reserviert. Winterreifen konnte ich nirgendwo zubuchen. Da ich aber im Netz gelesen hatte, dass Winterreifen in UK nicht vorgeschrieben und Allwetterreifen viel üblicher seien, rechnete ich mit eben diesen. Nach ein paar Minuten rief Daniel an: Sixt weigerte sich, den gebuchten Wagen herauszugeben, da dieser nur mit Sommerreifen ausgestattet sei. Es hieß, wir könnten für 20 Pfund mehr am Tag (!) einen Mittelklassewagen mit All-Season-Tires oder für 70 Pfund mehr am Tag einen Geländewagen mit Winterreifen haben. Ich witterte unseriöse Geschäftspraktiken und bat Daniel, bei billiger-mietwagen.de anzurufen, da wir über deren Plattform gebucht hatten. Die Dame von billiger-mietwagen sprach mit der SIXT-Mitarbeiterin, aber auch ohne nennenswertes Ergebnis. Wir waren müde, massiv angepisst und hatten wenig andere Optionen, denn auch die Stornierung der Buchung wurde verweigert. Außerdem dachten wir uns: Better safe than sorry. Also fast den doppelten Preis bezahlt und einen BMW 3er mit Allradantrieb genommen. Am nächsten Tage sollte sich dann noch herausstellen, dass auch der BMW lediglich mit Sommerreifen ausgestattet war … Meine Laune könnt ihr euch vielleicht vorstellen …

Als dann endlich die Koffer da waren, ging es los. 370 km mussten wir zurücklegen. Am Ende hat es über sechs Stunden gedauert. Zwischendurch heftiger Schneefall, unzählige Hirsche am Straßenrand und vor allem: Dunkelheit. Ich war selten so froh, heil angekommen zu sein.

Das Haus in Carbost war dafür eine tolle Überraschung. Noch schöner als auf den Bildern, mit cleveren, kreativen Features (Innenfenster!) und genau nach unserem Geschmack.

Tag 2: Old Man of Storr

Die schlechte Laune war sofort verflogen, als wir am nächsten Morgen aufwachten. Direkt aus dem Schlafzimmerfesnter hatten wir einen phänomenalen Blick auf Loch Harport.

Wir machten uns direkt auf den Weg zum Old Man of Storr, einem der wohl bekanntesten Wahrzeichen der Isle of Skye. Schon die Fahrt war genial: gute Straßenverhältnisse, auf den Bergen aber reichlich Schnee und strahlender Sonnenschein. Während der relativ kurzen, aber im tiefen Schnee durchaus anstrengenden Wanderung konnten wir gar nicht genug von dem tollen Ost-Ausblick bekommen und saßen mehrmals breit grinsend auf irgendwelchen Felsbrocken und freuten uns riesig über die Natur.

Auf der Rückfahrt legten wir noch einen kleinen Halt in Portree ein und gingen im örtlichen Co-Op einkaufen. Nie im Leben hatten wir erwartet, dort so viele vegane Lebensmittel zu finden – von indischen Zwiebelpuffern über Mousse-au-chocolat bis zu Bratwürstchen von Linda McCartney. Als Geburtstagsessen suchte ich mir aber etwas ganz Unspektakuläres aus: Nudeln mit Tomatensauce.

Tag 3: Neist Point

Am dritten Tag wurde es merklich wärmer und der Schnee taute an vielen Stellen. Nach dem Frühstück ging es deshalb direkt los zum Neist Point Lighthouse. Die Fahrt war durchaus anspruchsvoll, zumindest das letzte Drittel: schmale, einspurige Straßen, mit ordentlichen Steigungen und einigen Blindheads. Nix für meine schwachen Nerven!

Die ziemlich kurze Wanderung war aber total lohnenswert, auch und vielleicht gerade bei eher rauerem Wetter. Traurig hat uns nur ein totes Schaf gemacht, das am Wegesrand lag. Später habe ich gelesen, dass es nicht unüblich sein soll, dass die Kadaver einfach liegen gelassen werden. Ist wohl einfacher so. Schon ein pragmatisches Völkchen, diese Schotten!

Tag 4: Uig/Fairy Glen

Eigentlich wollten wir nur eine kurze Wanderung südlich von Portree machen. Da die schmalen Straßen aber immer noch oder schon wieder teilweise angefroren waren, haben wir uns entschieden, auf den besser in Schuss gehaltenen Hauptstraßen in Richtung Norden zu düsen. Schottisches Wetter kann einfach jede noch so gute Planung zerschießen. In diesem Fall war das aber überhaupt kein Problem: Uig und Fairy Glen wollten wir ohnehin besuchen und das Wetter dort war viel schöner als im Zentrum der Insel. Ein bisschen Schneematsch gab es trotzdem noch, weshalb wir nicht jeden Hang hochklettern konnten. Aber egal, allein die kleinen Häuschen, die weit voneinander entfernt in den sanften Hügeln lagen, waren einen Besuch wert. Perfekt wurde der Tag dann, als die Cuillin Hills auf dem Rückweg in dramatisches Licht getaucht waren. Viel, viel Schottlandliebe!

Tag 5: Point of Sleat

Unser Tagestrip zum Point of Sleat, also der südwestlichen Spitze der Isle of Skye, war ziemlich aufregend. Das gilt weniger für die Wanderung, dafür umso mehr für die Anfahrt. Die Straßen waren mindestens genau so steil, schmal und kurvig wie an Tag 2. Ich bin ja wirklich nicht religiös, aber da kann man schon mal mit dem Beten anfangen. Zum Glück sind die Einheimischen sehr rücksichtsvoll und Daniel sehr vorsichtig gefahren, weswegen wir gut angekommen sind. Die Wanderung selbst war relativ monoton, was aber auch einen gewissen Reiz hatte. Mehrere Kilometer folgten wir einm sich durch die Hügel windenden Jeep-Trail Richtung Küste. Überall stand Vieh, später begegnete uns dann auch ein Landwirt. Der fuhr allerdings nicht mit einem Geländewagen, sondern mit einem alten VW-Bus. Erstaunlich, wie viel Bodenfreiheit die Kisten doch haben! Am Ende des Jeep-Trails standen tatsächlich noch ein paar Häuser: Ich vermute, dass man sich bei dem Heimweg ziemlich ärgert, wenn man mal ne Packung Toast vergessen hat und wieder los muss. ;-) Unseren Hike haben wir ziemlich kurz gehalten, da ein Unwetter aufzog und wir mehrfach bis zum Knöchel im Morast stecken geblieben sind. Ganz die Outdoor-Profis eben.

Tag 6: Eilean Donan

Eilean Donan Castle ist eine der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten Schottlands, soweit ich weiß. Und jetzt, wo ich vor Ort war, kann ich das auch sehr gut nachvollziehen. Die Lage ist traumhaft schön. Und mal ganz ehrlich: Wie cool ist es bitte, über eine Brücke zu gehen, an einer alten Holztür zu klopfen und dann von einem älteren Schotten mit Vollbart, Kilt und Wollsocken in Empfang genommen zu werden? Vom Tartanteppich will ich gar nicht erst anfangen!

Tag 7: Broadford Marble Line

Am 7. Tag haben wir einen kleinen Hike entlang der Marble Line gemacht. Neben den alten Steinbrüchen gab es einige Ruinen und wunderschöne Uralt-Bäume zu sehen. Bis auf einen kleinen Schauer hatten wir mal wieder richtig Glück mit Wetter und Licht.

Tag 8: Isle of Raasay

Raasay ist ein kleines Paradies, das man mit einer knuffigen Fähre erreicht. Auf das Boot passen ungefähr sechs Autos, die Überfahrt von Skye dauert circa zehn bis 15 Minuten. Erstmal angekommen, breitet sich augenblicklich große Ruhe aus. Kaum Menschen sind zu sehen, nur ein paar verkuschelte Kühe und die obligatorischen Schafe. Wir haben eine kleine Wanderung entlang der Küste gemacht und mehrfach gedacht, dass es so ähnlich auf skandinavischen Schäreninseln aussehen müsse. Das Licht war mal wieder magisch und das satte Grün der Wiesen tat das Übrige. Wir waren verliebt! Ein paar Menschen haben wir dann aber doch gesehen: Auf dem Fußballplatz der Inselkinder und in der bildschönen Isle of Raasay Distillery! Alle Menschen, die wir getroffen haben, waren extrem freundlich und maximal unaufgeregt. Und, wiel ich Raasay noch nicht genug gelobt habe: Das Wartehäuschen der Fähre ist super schick mit Stühlen im Sixties-Style!

Tage 9, 10 und 11: Ausruhen

Die folgenden Tage hatten wir nicht so großes Glück mit dem Wetter: Regen, Windstärke 10 bis 11 und in Böen sogar 12. Irgendwie war das auch gemütlich, so konnte man endlich mal in Ruhe lesen ein bisschen das Nichtstun genießen. Dank der tollen Lage des Hauses wurde einem auch absolut nicht langweilig. Außerdem hielt uns das Tor, das immer wieder aufschwang und mit Schnürsenkeln befestigt werden musste, immer wieder auf Trapp. :-) Auch die Stürme selbst waren durchaus aufregend. Als Stadtbewohner kennt man das Gefühl ungebremst auftreffenden Windes gar nicht mehr so richtig und ein auf einer Anhöhe stehendes Holzhaus mit Blechdach ist in Sachen Windgeräusche eh noch mal eine Klasse für sich.

Tag 12: Rückfahrt nach Edinburgh

Den letzten Tag vor dem Rückflug haben wir größtenteils im Auto verbracht. Die Fahrt war allerdings deutlich entspannter als der Hinweg! Immerhin war es hell und Schnee lag auch nicht mehr so arg. Bei der Rückgabe des Mietwagens haben wir dann angemerkt, dass die versprochenen Allwetterreifen nicht aufgezogen waren. Nach einer weiteren Beschwerde gab es dann auch den bezahlten Mehrpreis zurück. Lieber wäre mir natürlich gewesen, man hätte uns tatsächlich einen Wagen mit angemessenen und zugesagten Reifen gegeben. Aber so hatten wir zumindest nichts für das unnötige und unter falschen Voraussetzungen abgeschlossene Upgrade bezahlt.

Endlich in Edinburgh angekommen war die Freude groß. Die Stadt gehört zu meinen absoluten Favoriten: Ich liebe die Mischung aus mittelalterlicher und moderner Architektur. Den Mix aus Bergen und Meer, den sandfarbenen Stein und die großen Parks. Außerdem haben wir mit unserer Hotelbuchung einen absoluten Volltreffer gelandet: Das perfekt durchgestylte Eden Locke liegt in einer der schönsten Gegenden Edinburghs, ganz dicht an vielen tollen Restaurants und Geschäften und nur etwa 15 Gehminuten vom Schloss entfernt. Ein bisschen Schlenderei, ein Stück veganer Carrot Cake und etwas Grußkarten-Shopping in der Red Door Gallery – besser kann man einen Urlaub doch nicht beenden, oder?

Kanada

Kanada

New York, New York

New York, New York